Die Landkarte ändern

7

Ich halte einen Vortrag in einem Kibbuz im Süden. Ich spreche von Frieden, von einem Israel, das in einen blühenden und vereinten Nahen Osten eingebettet ist und das seine Mittel für die Schaffung einer hochentwickelten technologischen Wirtschaft einsetzt anstatt für den Krieg.

Die Kibbuzniks hören höflich, aufmerksam, skeptisch zu. Das alles ist Science Fiction für sie. Sie wissen nicht, was Frieden ist, sie können es sich nicht einmal vorstellen. Für sie ist Krieg der Normalzustand; sie wissen, was im Krieg zu tun ist, wie man mit ihm fertig wird, er schreckt sie nicht. Aber Frieden, das ist etwas anderes, etwas außerhalb ihres Erfahrungsbereichs, etwas Bestürzendes, vielleicht sogar Furchteinflößendes wie alles Unbekannte.

Als ich fertig bin, stellt mir ein junger Kibbuznik, der wie ein Panzerkommandant der Reserve aussieht, eine bockige Frage: "Sie wollen, daß wir eine Menge Territorien aufgeben, den Ölreichtum des Sinai, strategisches Hinterland und einen Haufen anderer Dinge. Was sollen wir denn dafür bekommen? Einen Fetzen Papier?"

Ich suche verzweifelt nach einer Antwort, die diesen pragmatischen, wildentschlossenen Menschen ansprechen könnte. Wie beschreibt man Frieden in anschaulichem Worten?

"Sehen Sie", sage ich, "in diesem Augenblick hängen in Hunderttausenden von Klassenzimmern überall in der arabischen Welt, von Casablanca in Marokko bis nach Mossul im Irak, Landkarten des Nahen Ostens. Auf all diesen Karten ist das Gebiet Israels entweder ein weißer Fleck oder trägt die Aufschrift Filastin al-Mukhtalla, Besetztes Palästina. Wir wollen im Austausch für die Dinge, die Sie genannt haben, nur die eine Kleinigkeit: Daß auf all den Landkarten dieses Gebiet als Israel bezeichnet wird."

57