israelische Pässe.) Sartawi bat den König, ihnen Pässe des maghrebinischen Königreiches zu gewähren. Keiner dieser Juden, der mit einem solchen Paß seine ursprüngliche Heimat besuchte, konnte ahnen, wem er dieses Privileg verdankte.

Bei seinen Bemühungen in Marokko schuf Sartawi auch einen schriftlichen Beweis dafür, daß zutraf, was er über seine Arbeit berichtete. Ein marokkanischer Minister hatte vorgeschlagen, Sartawi solle die Sprecher der jüdischen Gemeinde in Marokko persönlich kennenlernen. Er stimmte mit Begeisterung zu. Das Treffen fand in dem palastartigen Heim des königlichen Beraters Ahmed Ben Souda in Rabat statt - wo ich vier Jahre später ein paar glückliche Tage zubringen sollte.

Sartawi merkte, daß die Juden ängstlich und nervös waren. Sie waren vom König herbeibefohlen worden, um mit einem Vertreter der gefürchteten PLO zu reden, mit dem Todfeind Israels. Sie gehorchten dem Verlangen des Königs, aber es gab keinen Zweifel, sie kamen nur, weil sie mußten.

Sartawi nutzte das Treffen, um seine Gefühle gegenüber den Juden auszudrücken. Er erzählte ihnen von seinen Bemühungen im Namen der PLO, die Lage der Juden in den arabischen Ländern zu verbessern. Er sprach von der historischen Beziehung zwischen Juden und Arabern. Ein kurzes, düsteres Kapitel dürfe nicht die Erinnerung an eine lange und ruhmreiche gemeinsame Vergangenheit auslöschen, sagte er. Er legte seine Motive dar und fügte hinzu, daß dieses Treffen wie alle seine Bemühungen nicht zu Propagandazwecken benutzt würde. Er erzählte ihnen auch von seinen Gesprächen in Damaskus und die Geschichte von den vierhundert Jungfrauen. Ein paar Wochen später, am 9. Juni 1976, erschien in der israelischen Tageszeitung Haaretz eine Meldung: "PLO-Vertreter haben sich in Marokko mit jüdischen Führern getroffen und versucht, sie zur Mitwirkung an einer Propagandakampagne anzuwerben, mit der Juden zum Verlassen Israels bewegt werden sollen. Die Vertreter der jüdischen Gemeinde in Marokko haben geantwortet: "Wir glauben nicht, daß viele Juden in die arabischen Länder zurückkehren werden." Die Meldung besagte, bei diesem Treffen am 24. März hätten die PLOVertreter offiziell bekanntgegeben, daß ein Sonderfonds geschaffen worden sei, der Juden aus arabischen Ländern und insbesondere aus Nordafrika helfen solle, "in ihre eigentliche Heimat zurückzukehren".

Der Bericht, der "gutunterrichteten israelischen Kreisen" (das heißt den Geheimdiensten) zugeschrieben wurde, lautete weiter:

"Der Leiter des persönlichen Büros des Königs hatte enge Beziehungen zu prominenten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde in Marokko geknüpft, als er sie während der jüngsten Sahara-Krise in die Vereinigten Staaten entsandte, wo sie als Botschafter des guten Willens für Marokko fungierten. Bei ihrer Rückkehr bat er sie, sich zu einem informellen Gespräch mit Vertretern der PLO zu treffen. Die Juden lehnten das ab und betonten, daß sie zwar loyal

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