"Sind Sie ganz sicher, daß Arafat da sein wird?" fragte Arnon. "Absolut!" log ich. Selbstverständlich konnte niemand je sicher sein, daß Arafat zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort war. Es konnte plötzlich etwas dazwischenkommen. Sicherheitserwägungen konnten dem entgegenstehen, eine vorhergehende Veranstaltung konnte sich länger als geplant hinziehen, die politische Lage konnte sich über Nacht ändern. "Ich bin mindestens zu 95 Prozent sicher", räumte ich ein.

Später, nach dem historischen Ereignis, beschuldigte mich Arnon, ich hätte sie "manipuliert". Inzwischen wußte er, daß ich nur zu vielleicht 60 Prozent sicher gewesen war. So treiben es die Friedenmacher.

Matti hatte zweifellos einigen Anlaß, skeptisch zu sein und zu zögern. Er war bereits ein paar Wochen zuvor in Tunis gewesen, aber Arafat hatte sich nicht blicken lassen, und nachdem er ein paar Tage vertrödelt und nur zwei führende Fatahmitglieder gesehen hatte, mußte er abfahren. An der Universität war seine häufige Abwesenheit schon aufgefallen und lieferte denjenigen Munition, denen seine politischen Ansichten nicht gefielen.

Zum Schluß erklärten sich beide bereit, am Montag nach Paris zu fliegen. Aber Matti stellte eine feste Bedingung: Was auch geschehe, er müsse am Mittwoch zu seiner Fünfuhrvorlesung an der Universität wieder in Tel Aviv sein. Er hätte ebensogut den Mond verlangen können.

*

Am nächsten Tag löste ich ein Versprechen an Issam ein: Ich suchte Bürgermeister Elias Freij in seinem Haus in Bethlehem auf. Er war in der West Bank der einzige gewählte palästinensische Bürgermeister von Bedeutung, der noch im Amt war.

Die Bürgermeister waren 1976 irrtümlich gewählt worden. Wie Itzhak Rabin, damals Ministerpräsident, mir gleich nach dem Ereignis hämisch erzählte, war sein Freund Schimon Peres, damals Verteidigungsminister, überzeugt gewesen, daß freie Wahlen das Mandat der alten Notabein erneuern würden, die jordanische Strohmänner waren. Die Wahlen waren wirklich frei gewesen, und ihre Ergebnisse waren umwälzend. In fast allen größeren Orten der West Bank hatte es einen Erdrutschsieg für die PLO gegeben. Eine neue Schicht junger, PLO-freundlicher Nationalisten war ins Amt gekommen, was nebenbei gesagt bewies, daß das palästinensische Volk geschlossen hinter der PLO stand. Dies waren paradoxerweise die einzigen freien Wahlen der Welt, bei denen Palästinenser wirklich ihren Willen zum Ausdruck bringen konnten. Natürlich wurde diese Übung von den israelischen Behörden nie wiederholt, und die meisten Bürgermeister wurden im Laufe der folgenden Jahre abgesetzt oder ausgewiesen.

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