Der Brief fragte den Vorsitzenden, wie unsere Arbeit in Anbetracht der Beschlüsse des Palästinensischen Nationalrats fortgesetzt werden könnte. Wir riefen ihm ins Gedächtnis, daß wir ein monatliches Treffen von Vertretern der PLO und unseres Rates, die Einberufung einer israelisch-palästinensischen Konferenz und einen öffentlichen Appell von ihm an die West Bank-Führer, mit uns zusammenzuarbeiten, beschlossen hätten.

Das Dringlichste war aber im Augenblick die Frage, was aus der Londoner Versammlung werden sollte. Issam konnte unmöglich mit mir dort auftreten, ohne dem ausdrücklichen Beschluß seiner eigenen Organisation öffentlich Hohn zu sprechen und alle seine Feinde zum Äußersten zu reizen. Einfach wegzubleiben würde andererseits eine wertvolle Gruppe wohlmeinender Leute enttäuschen und verletzen. Issam beschloß, mit mir nach London zu fliegen und dort unseren Gastgebern zu erklären, warum er unmöglich auf dem Podium erscheinen könnte.

Ich übernachtete in seinem Büro, und am Morgen holte er mich ab. Er war in Begleitung eines französischen Polizeioffiziers, der uns in seinem Wagen zum Flughafen brachte und uns durch die Formalitäten schleuste. Es war unverkennbar, daß er zu einem politischen Zweig der französischen Polizei gehörte; Bemerkungen, die er unterwegs fallenließ, zeugten von solider Kenntnis unserer Situation.

In London nahm uns June Ward in Empfang, Issams Londoner Assistentin, die uns in ihr Haus in Hampstead brachte. Bald fanden sich dort auch unsere Gastgeber ein, darunter namhafte britische Juden, und es entwickelte sich eine qualvolle Diskussion.

Sämtliche Vorbereitungen für die Versammlung an diesem Abend waren längst getroffen. Die Veranstaltung sollte im Prunksaal des Stadtrates von Groß-London stattfmden, und die Polizei hatte umfängliche Sicherheitsvorkehrungen geplant. Das Ereignis war der Startschuß zu einer öffentlichen Kampagne unserer Gastgeber.

Issam versuchte zu erklären, ohne in die Details zu gehen, daß seine Teilnahme unmöglich sei. Unsere Gastgeber fühlten sich sichtlich vor den Kopf gestoßen, weil Issams Gründe ihnen nicht stichhaltig vorkamen. Issam schlug vor, daß er sich auf Krankheit berufen und daß ich für ihn mitsprechen sollte. Ich sagte, seine Teilnahme sei doch viel wichtiger als meine und deshalb sollte ich mich krank melden. Unsere Gastgeber flehten uns an, beide zu erscheinen.

Auf einmal richtete Sartawi sich auf und faßte seinen Entschluß. Bisher hatte er zusammengesunken im Sofa gelehnt, hatte müde ausgesehen und unschlüssig. Jetzt setzte er sich gerade mit entschlossener Miene und sagte: "In Ordnung, ich komme."

Ich habe später oft an diesen Augenblick gedacht, der vielleicht über sein Schicksal entschied. Warum hat er das getan? Hatte ich ihn zu sehr bedrängt,

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