Vertreter aufzusuchen und ihn in derselben Sache anzusprechen. Auf seinen Rat hin schickte Matti über ihn ein weiteres Memorandum nach Tunis.

Es war alles vergeblich. Monate später, auf dem Höhepunkt der Schlacht um Tripoli, kamen die Gefangenen frei im Austausch gegen eine große Zahl von PLO-Kämpfern aus israelischen Gefängnissen und sämtliche Insassen des berüchtigten Gefangenenlagers in Al-Ansar im Südlibanon. Der Handel wurde mit einem israelischen Rechten abgeschlossen, einem ehemaligen Justizminister, der berühmt wurde, weil er ein infames Gesetz in Kraft setzte, nach welchem Palästinenser zwei Jahre Gefängnis erhielten, wenn sie eine palästinensische Fahne zeigten oder auch nur besaßen. Es war das traurige und typische Beispiel einer verpaßten Gelegenheit.

Wenigstens offenbarten aber die Gefangenen bei ihrer Heimkehr im ersten Überschwang der Gefühle, daß sie von ihren Fatah-Bewachem außerordentlich gut behandelt worden waren. Unnötig zu sagen, daß sie und ihre Angehörigen einen Maulkorb bekamen und daß nicht ein einziger Bericht über ihre Erfahrungen während der langen Gefangenschaft veröffentlicht wurde. Unnötig auch die Anmerkung, daß weder die Gefangenen noch ihre Eltern mir je dankten für meine bescheidenen Bemühungen, die ich auf eigene Kosten unternahm.

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Am 29. August 1983 traten die Vereinten Nationen in ihrer Genfer Zentrale zu einer internationalen Konferenz über die Palästinafrage zusammen. Es war eine Galaveranstaltung, das Ergebnis einer langen Kette von Sitzungen und Beschlüssen der UN-Vollversammlung, die von Israel, den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sämtlich boykottiert worden waren. Die Vereinigten Staaten boykottierten, auf israelischen Druck hin, auch diese Konferenz. Die meisten westlichen Länder beugten sich amerikanischen Wünschen und schickten nur Beobachter. Die Regierungen Israels, der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland fehlten ganz.

Matti Peled und ich wurden eingeladen, als "prominente Persönlichkeiten" an der Konferenz teilzunehmen; damit befanden wir uns in Gesellschaft von etwa einem Dutzend anderer aus verschiedenen Teilen der Welt, die als Experten für dieses Thema galten. Der Israelische Rat wurde als nichtstaatliche Organisation eingeladen.

Der Entschluß zur Teilnahme fiel uns nicht leicht. Wir wußten, daß der ganze Propagandaapparat unserer Regierung gegen die Konferenz mobilisiert, daß jeder Israeli, der daran teilnahm, als nützlicher Idiot des Feindes abgestempelt werden würde. In der Konferenz würden die Karten von vornherein gegen Israel gemischt, die arabische und die kommunistische Welt mit ihrem ganzen Gewicht präsent, der Westen stumm sein.

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