fer" aus, ein israelisches Codewort, das die Massenvertreibung der Palästinenser aus dem Lande meint. Davon spricht nicht nur ein Nazi wie Meir Kahane, auch Likudpolitiker sagen es und hier und da sogar jemand von der Arbeiterpartei. Nachdenklichere Menschen aber sehen immer mehr ein, daß man nicht umhin kann, den Palästinensern ihre nationalen Rechte zuzusprechen. Politiker, Generäle und hohe Beamte äußern diese Meinung oft im Privatgespräch, auch wenn sie öffentlich das Gegenteil behaupten, vor allem im Ausland und in Reden für die Ohren von Ausländern. Da regiert die Pflicht, für das Vaterland zu lügen.

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Es wird schlimmer werden, noch sehr viel schlimmer, bevor eine Wendung zum Guten möglich wird. In beiden Völkern muß die Bereitschaft zu Zugeständnissen reifen. Vielleicht kommt der Tag, an dem der israelische Soldat, der einer wütenden Demonstration in den Gassen von Gaza oder Nablus gegenübersteht, sich fragt: "Was tue ich hier eigentlich? Warum schieße ich auf Kinder und Frauen? Welchen Sinn hat das alles? Wo ist die Lösung?" Einige haben sich solche Fragen schon beim letzten Aufstand gestellt. Sie verweigern den Militärdienst in den besetzten Gebieten. Andere werden ihnen folgen. Ich kann nicht glauben, daß der israelische Mensch auf Dauer so handeln kann wie die Buren in Südafrika.

Vielleicht irre ich mich. Vielleicht werden im Teufelskreis der Gewalt und des Hasses die Selbstzerstörungskräfte beider Völker so stark, daß eine Verständigung nicht mehr möglich ist. Vielleicht sind die beiden Völker dazu verdammt, sich in einer destruktiven Symbiose, in tödlicher Umarmung und gemeinsamem Wahnsinn gegenseitig zu Grunde zu richten. Ich hoffe es nicht, ich glaube es nicht. Ich glaube an den gesunden Menschenverstand beider Völker, des israelischen und des palästinensischen, die ihr Schicksal der letzten hundert Jahre in dieser Tragödie aufeinanderprallen ließ.

Beide Völker sind dazu verurteilt, entweder zusammen zu leben oder zusammen zu sterben. Meine Hoffnung ist, daß sie das Leben wählen.

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