Als am i. April 1991 ein neuer Generalstabschef das Kommando der israelischen Streitkräfte übernahm, konnte er Israels militärische Lage mit einer gewissen Genugtuung betrachten. Generalleutnant Ehud Barak, ein nicht ganz typischer "intellektueller" Offizier, bekundete sofort seine Bereitschaft, den ungeheuren Militäretat einzuschränken.

Tatsächlich hat die Streichung des Irak aus der Liste der aktiven Feinde die strategische Lage positiv verändert. Im Süden Israels besteht der Separatfrieden mit Ägypten. Jordanien ist kein effektiver militärischer Widersacher. Syrien fährt zwar fort, sich zu bewaffnen und ist bereits mit Vernichtungswaffen ausgestattet, aber der Diktator in Damaskus, mehr Fuchs als Löwe ("Assad" heißt im arabischen Löwe), wird sich hüten, mit Israel in einen Krieg zu geraten, ohne einen starken Irak als Bundesgenossen in seinem Rücken zu wissen.

Die Beziehungen zwischen Syrien und Israel erweisen sich nie ganz so, wie sie erscheinen. Von außen gesehen ist Hafes Al-Assad der unerbittliche Todfeind Israels. Sein Anspruch auf Hegemonie in der arabischen Welt beruht nicht nur auf der Geschichte der omajjadischen Kalifen zu Damaskus vor 1200 Jahren, sondern auch auf der Tatsache, daß Syrien der einzige "Konfrontationsstaat" ist, der Israel die Stirn bietet. Sein offizielles Ziel lautet, "strategische Gleichheit" mit Israel zu erreichen. Saudi-Arabien finanziert die syrische Rüstung nicht nur, um den Irak in Schach zu halten und Syrien als Vermittler gegenüber dem Iran zu benutzen, sondern auch, um die israelische Armee unter Druck zu setzen. Seit Ariel Scharon vor einigen Jahren öffentlich erklärte, daß die israelische Armee ohne weiteres die saudischen Olfelder erreichen könne, sind die Saudis auf Flankendeckung bedacht. In Israel ist Syrien verhaßt und gefürchtet. Man hat gesehen, wie Assad seine eigenen aufständischen Untertanen mit Kanonen dezimiert und eine seiner wichtigsten Städte, Al-Hamma, teilweise verwüstet hat.

Aber Rhetorik und Emotionen haben Damaskus und Jerusalem nie daran gehindert, zum gemeinsamen Nutzen zusammenzuarbeiten. Das war schon zu Zeiten der Bibel so. Wie die

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