lieh gegeben. Napoleon hat einmal gesagt: "Um die Politik eines Landes zu verstehen, muß man nur die Landkarte betrachten." Das stimmt zum großen Teil. Wir haben ja im Nahen Osten, in der Welt überhaupt, oft erlebt, daß Regime total gewechselt haben, aber die Politik im großen und ganzen die gleiche geblieben ist. Das kann man auch über Rußland sagen: das Rußland der Zaren, das Rußland der Kommunisten, das neue Rußland - es sind immer noch dieselben Ziele, die sich aus den geographischen und anderen Gegebenheiten ergeben. Wir haben das Beispiel Ägypten. Sadat hat einen ganz dramatischen Frieden gemacht, und er ist ermordet worden; nicht deswegen übrigens, wie man fälschlich annimmt, sondern aus anderen Gründen. Es kam ein sehr undramatischer Mensch an seine Stelle, und die Politik geht unverändert weiter mit kleinen Variationen; weniger dramatisch, nüchterner. Wenn Assad morgen stirbt - seit Jahren höre ich, er sei todkrank, aber er scheint unsterblich zu sein -, kein Mensch weiß, wer danach kommen wird, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten. Es ist kein klarer Nachfolger da. Aber wer auch immer es sein mag, er wird dieselbe Politik mit anderen Mitteln betreiben, vielleicht schneller. Assad ist jedenfalls ein sehr mißtrauischer Mensch, das absolute Gegenteil von Sadat, ein Mensch, der keine dramatischen Gesten macht, der sehr vorsichtig ist.

Aber die Interessen bleiben immer dieselben. Syrien wird Frieden mit Israel machen, weil es sich nicht in der Region isolieren will und es überall in Richtung Frieden geht. Syrien wird keinen Frieden schließen, ohne die Golanhöhen zurückzuerhalten. Innerhalb dieser beiden Grundtatsachen kann es so oder so kommen, aber das

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