te. Ich wunderte mich oft, warum er immer mit langen Ärmeln herumlief, habe es aber nicht weiter beachtet; eines Tages habe ich ihn dann mit kurzen Ärmeln gesehen. Ich war total erstaunt - der Mann hatte eine Auschwitznummer auf dem Arm. Ich kannte ihn schon sehr lange, er hatte aber nie darüber gesprochen. Er erzählte dann schreckliche Geschichten.

Unser alltägliches Leben mit Holocaustopfern schwächt sich nicht ab, sondern ganz im Gegenteil. Und das nicht nur, weil es ein nationaler Kult geworden ist mit vielen Zeremonien, der die Erinnerung an den Holocaust auch ganz offiziell pflegt. Man kann sich darüber Gedanken machen, ob das gut oder schlecht ist. Ich sehe das sehr kritisch. Aber es ist nun mal da. Und die zweite Generation dieser Holocaustopfer hat sich ein neues Leben, eine neue Existenz in Israel aufgebaut. Es wundert einen oft, wie die Leute, die Auschwitz mitgemacht haben, imstande sind, ein normales Leben zu führen. Nur manchmal, als im Golfkrieg beispielsweise die Raketen bei uns einschlugen, kamen plötzlich ganz panische Ängste bei diesen Menschen nach oben. Die zweite Generation ist übrigens noch "schwieriger" als die erste. Ich erkläre mir das damit, daß die Generation von Auschwitz großenteils zumindest eine gesicherte Kindheit erlebt hat, bevor das alles passiert ist, während deren Kinder, die schon in Israel geboren sind, diese Ängste mit der Muttermilch aufgesogen und noch viel mehr verinnerlicht haben.

Der Holocaust spielt in Israel noch heute eine große Rolle. Ich habe sehr viele Stunden in meinem Leben damit verbracht, palästinensischen Lreunden zu erklären, warum das so ungemein wichtig ist, um Israel zu verste¬

119