kehren würden. Es war ja Krieg, und wir mußten an das Massaker von Deir Yassin 1948 denken. Aber überraschenderweise kamen sie nach drei Tagen zurück. Das waren unsere ersten Erfahrungen mit der israelischen Besatzung.

Ihre Familie kommt ja ursprünglich aus Hebron.

Mein Großvater stammt aus Hebron. Er kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Jerusalem und hat ein Geschäft in der Altstadt eröffnet; er war Gemüsehändler. Wenn ich mich nicht täusche, stammen wahrscheinlich 70 Prozent der Palästinenser in Jerusalem aus Hebron. Die Beziehung zwischen Hebron und Jerusalem ist historisch und begann möglicherweise schon in der Kreuzritterzeit. Damals gehörten beide Städte zum gleichen Verwaltungsgebiet. Später erhielten Hebron und Jerusalem aufgrund ihrer Heiligtümer den religiösen Verwaltungstitel Harameini Sharifein. Seitdem gibt es ein besonderes Verhältnis zwischen den beiden Städten, und viele der Gelehrten Jerusalems kamen ursprünglich aus Hebron.

Anfang dieses Jahrhunderts gab es dann eine Abwanderung vieler Palästinenser von Jerusalem Richtung Westeuropa; sie waren aufgrund des Tourismus und der Missionarsschulen der westlichen Kultur gegenüber sehr offen. Der Mufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, versuchte daher gezielt, Menschen aus Hebron nach Jerusalem zu bringen, um die demographische Balance wiederherzustellen. Es kamen zu der Zeit nämlich viele Juden nach Jerusalem, während sowohl Moslems als auch Christen die Stadt Richtung Westen verließen. Der Mufti unterstützte die Leute aus Hebron mit Wohnungen in der Altstadt. Viele Wohnungen waren Eigentum religiöser Stiftungen, und als Mufti war er deren Verwalter.

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