ringen, sondern dass beide Völker das ganze Land - Filastin (Palästina) für das eine, Erez Israel für das andere - als einziges und exklusiv ihnen zugehörendes Heimatland betrachteten. Jedes der beiden Völker bestritt nicht nur den Anspruch des anderen, sondem sogar seine Existenz. "Es gibt kein palästinensisches Volk", erklärte die unglückselige Golda Meir, damals Israels Ministerpräsidentin. "Es gibt keine jüdische Nation", behaupteten die Palästinenser und forderten, dass alle seit 1917 ins Land gekommenen Juden und ihre Nachfahren sich dahin scheren sollten, wo sie hergekommen waren.

Darum hat dieser Handschlag auf dem Rasen vor dem Weißen Haus so eine historische Bedeutung: Er symbolisierte die gegenseitige Anerkennung der Ansprüche beider Völker auf dasselbe Land. Für beide heißt dies, dass die Traumata, Mythen, Hassgefühle, Ängste, Vorurteile und historischen Vorstellungen, die seit vier Generationen das Weltbild und die Kultur beider Völker bestimmen, abgebaut und durch ganz andere, noch gar nicht sichtbare Leitideen ersetzt werden müssen. Notwendig ist auf beiden Seiten eine geistige Revolution, die sich selbst mit dem Ende des Kalten Krieges nicht vergleichen lässt. Es geht um viel, viel mehr.

Darum ist der Weg von Oslo nach Jerusalem, von der UnterZeichnung der Prinzipienerklärung, die nur ein Rahmenvertrag ist, zu einem wahren, offiziellen und auch in der Praxis bestehenden Frieden so ungeheuer schwierig. Denn 90 Prozent der Schwierigkeiten sind psychologischer, nur zehn Prozent praktischer Natur. Um ihnen vorläufig aus dem Weg zu gehen, hat Rabin, ein fantasieloser Pragmatiker, durchgesetzt, dass alle besonders schwierigen Brocken - Jerusalem, Siedlungen, Rückkehr der Flüchtlinge - erst im Rahmen eines "dauerhaften" Friedens behandelt werden sollen. Aber auch dieser Umweg entpuppt sich als Scheinlösung des Problems: Beide Seiten bleiben sich ihrer Ziele bewusst und schlagen Zwischenstadien vor, die in die von ihnen gewünschte Richtung gehen. Für die Palästinenser heißt das ganz eindeutig: ein Palästinastaat im Westjordanland und im Gazastreifen mit seiner Hauptstadt Ostjerusa-

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