mehr töten können." Das ist natürlich wahr. Wahlloses Schießen in eine Menge von Demonstranten hätte Hunderte, ja Tausende töten können. Außerdem wäre es möglich gewesen, palästinensische Städte und Dörfer aus der Luft zu bombardieren oder sie mit Artillerie zu beschießen. Aber Ehud Barak verstand, dass der politische Preis solcher Aktionen unerträglich hoch sein würde. Andererseits hätte es einen zu großen militärischen Aufwand bedeutet, mit Panzern in palästinensische Städte zu fahren. In engen Gassen sind Panzer für Molotowcocktails angreifbar. Also gab man Scharfschützen den Vorzug.

Beide Strategien sind unmoralisch und unklug. Unmoralisch deshalb, weil auf diese Weise Soldaten und Polizisten zu Henkern werden. Diese Praxis an sich ist natürlich nicht neu. Sie wurde das erste Mal von Ariel Sharon (ja, derselbe Ariel Sharon) während der ersten Jahre der Besatzung ausgeübt, als er ein Terrorregime im Gazastreifen errichtete. Wie er mir später erzählte, gab er den Befehl, "keine Gefangenen zu machen". Palästinenser, die man mit Waffen erwischte, wurden auf der Stelle getötet. Später wurde diese Praxis von Undercovereinheiten (Mistaaravim, das heißt "als Araber verkleidet") angewandt, deren Slogan es war, "den Tod zu garantieren". Dies kam an die Offentlichkeit, als die Mistaaravim einen ihrer eigenen Leute in der Annahme töteten, er sei ein "Terrorist". Nachdem sie ihn verwundet hatten, erledigten sie ihn aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss.

Später entdeckte man, dass diese Praxis von den Mistaaravim ausgeweitet wurde, um medizinische Hilfe für die Verwundeten auszuschließen. Palästinensischen Ambulanzen wurde nicht erlaubt, sich den Verwundeten zu nähern. Sie blieben an Ort und Stelle liegen und starben dort. (Bedauerlicherweise lernten die Palästinenser diese Lektion und wandten dieselbe barbarische Methode am Josephgrab in Nablus an.) Israelische Scharfschützen töteten den Lahrer des Krankenwagens, der versucht hatte, den Jungen am Netzarim-Checkpoint zu retten.

Es scheint, dass der Einsatz von Scharfschützen, um zu töten, ein Teil der Doktrin geworden ist, nach der die Armee und

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