4. Juni 1948,

im Bataillonsgefangnis

Intermezzo im Calabusch

In den Erinnerungen früherer Gefängnisinsassen liest man über den schrecklichen Augenblick: Du betrittst die Zelle, die Tür wird hinter dir zugeschlagen ... Ich hatte keine solchen Gefühle der Angst. Als ich den Calabusch betrat, wurde ich mit einem Jubelschrei empfangen - von meinen Kameraden, die wegen des gleichen Vergehens hierher geschickt wurden: Entfernung von der Truppe ohne Erlaubnis.Wer gewöhnt ist, in einem weichen Bett zu schlafen, mit sauberer Wäsche bezogen, wird den Calabusch nicht als erste Adresse betrachten. Aber wer mit seiner Truppe in arabischen Dörfern voller Flöhe gelegen hat, für den ist ein Calabusch durchaus ein angenehmer Ort.

Meine "erfahreneren" Kameraden haben mir das Gefängnis gezeigt. Oben, an der Wand, eine lange Schrift: "Hier vegetierten die Gefangenen Zions, der Mörserschütze Itzchak R, der MG-Schütze Moshe A., der Späher David M., die Eroberer von al-Kubab, die Helden von Latrun, die Befreier von Jerusalem ..."

Die Zeit vergeht. Wir haben Hunger. Die Militärpolizisten

bringen uns Essen. Wir essen und trinken und amüsieren uns auf ihre Kosten. Wir nennen sie Militärkellner.

Wir liegen auf dem Rücken und sind zufrieden. Wenn man für einige Stunden Tel Aviv besucht hat, kehrt man gut gelaunt zurück. Nur wenn man dort zwei, drei Tage verbringt und erlebt, was sich dort wirklich tut, frühere Freunde trifft, die jetzt in der Etappe schnell Karriere beim Militär machen, kehrt man schlecht gelaunt, deprimiert und verärgert zurück.

Wir gehören verschiedenen Einheiten an, sind aber alle Veteranen. Jeder hat mindestens ein Dutzend Kämpfe hinter sich. Und ohne es zu merken, beginnt eine strategische Debatte. Es gibt kaum einen besseren Ort als den Calabusch, um konzentriert zu denken. In der Einheit hat man keine Zeit für solche Diskussionen.

Es ist spät. Wir sprechen leise, um die Wachen nicht in ihrem Schlaf zu stören. Wir kommen auf die unterschiedlichsten Themen und diskutieren Fragen, die uns wirklich beschäftigen: Wann wird der Krieg zu Ende sein? Tun wir wirklich alles, um den Feind zu schlagen? Werden wir uns wieder an das ruhige zivile Leben gewöhnen können, nach allem, was wir hier erlebt haben?

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