Langsam begreifen wir: Wir haben uns verirrt. Wir - acht Männer in zwei Jeeps - sind irgendwo im Süden des Landes, entweder in unserem oder in einem von den Arabern beherrschten Gebiet.

"Was schlägst du vor?", fragt Asher. "Wie kommt man hier raus ohne Kompass?" Asher Asherov hat seine militärische Ausbildung in der britischen Armee erhalten. Er kann gut organisieren, hat aber nur wenig Orientierungssinn. Albert Mandler dagegen, der Junge aus Ramat-Gan7, blauäugig und blond, ist im Gadna8 aufgewachsen, er ist ein Naturtalent, wenn es darum geht, sich im Feld zurechtzufmden. Und er ist mit viel Selbstsicherheit gesegnet. "Wir haben die Sterne", antwortet er.

In Wahrheit haben wir nur noch wenige Sterne. Vor uns sind

zwei Sterne zu sehen, die ich als zur Kassiopeia gehörig erkenne. Aber Ruven Huber, der im zweiten Jeep am Maschinengewehr

sitzt, hat einen anderen Stern ausgesucht, genau in der entgegengesetzten Richtung. Und mit ihm kann man nicht diskutieren. Er ist stur wie ein Maulesel.

Albert will sich auf mich verlassen. Asher unterstützt Ruven. Auch die anderen, die noch nie auch nur einen Stern betrachtet haben, diskutieren mit. Jeder wählt sich seinen eigenen Stern und schwört, das sei die Kassiopeia. Die Diskussion könnte lustig sein. Nur hängt leider unser Leben von ihrem Ergebnis ab.

Wir fahren. Alle paar Minuten halten wir an und sehen uns um. In dieser flachen Ebene kann man nichts erkennen. Wieder stehen wir vor einem Wadi. Wieder überqueren wir es. Aber keiner weiß, ob das ein neues Wadi ist, oder ob wir es in dieser Nacht schon 20-mal überquert haben. Jemand beginnt auf Albert zu schimpfen. Wir bringen ihn sofort zum Schweigen. Natürlich kennen auch wir die Lage. Aber wir wissen auch, dass Schimpfen und Murren nichts helfen.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist drei Uhr. Wir sind seit vier Stunden unterwegs. Jetzt gibt auch Albert auf. Rechts von uns entdeckt er ein Burguhl-Feld9 und schlägt vor, hier auf den Morgen zu warten. Alle sind einverstanden. Wir stellen die Jeeps zwischen die hohen Halme, bauen die hochragenden Maschinengewehre ab und tarnen die Halterungen. Albert und Asher nehmen ihre Gewehre und verschwinden in der Dunkelheit - sie wollen die Gegend erkünden.

"Wir sind sicher schon in der Nähe von Hebron", behauptet

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