Die unglaublichste von allen ist die Geschichte vom dritten Jeep. Der Fahrer, Jitzchak Neuhaus, wurde von einer Salve in die Brust getroffen, brach tot zusammen und fiel aus dem Fahrzeug. Asher Asherow, der neben ihm saß, wurde ebenfalls getroffen. Daraufhin reagierten die beiden Soldaten, die hinter ihnen saßen. Ruven Huber, der noch nie einen Jeep gefahren hatte, übernahm das Steuer. Micki Rosenblatt stieg aus - drei Meter von einer feindlichen Stellung - barg die Leiche von Jitzchak und erst dann fuhr Ruven rückwärts und schloss sich den anderen Jeeps an, die sich bereits zurückgezogen hatten.

Zwei Jeeps fahren nach Dschulis, wo sich die Kompanie Nummer eins versammelt. Man befürchtet, dass sie noch Verwundete haben. Die Soldaten sind todmüde. Einer ihrer Offiziere, jener Dov Feitt, der seinerzeit aus seiner Einheit "flüchtete", um uns beim Angriff auf Isdud zu begleiten, sitzt dort. Zwei Kugeln haben ihn am Arm getroffen nachdem er mit zwei Handgranaten elf Ägypter erledigt hatte.

Im Morgengrauen sind wir in unserer Kampfbasis. Doch uns fehlt etwas. Nach einiger Zeit erst merken wir, was es ist: das übliche Getöse der feindlichen Waffen. Es hat aufgehört.

Unsere Laune steigt und sinkt abwechselnd. Wie immer nach

einem schweren Kampf. Erst sinkt die Stimmung - die besten Kameraden sind gefallen oder wurden verwundet, Leute, mit denen wir gestern noch geflucht und gelacht haben. Einige waren in der Kompanie seit deren Gründung. Ohne sie ist die Einheit nicht mehr das, was sie einmal war. Aber langsam bessert sich die schlechte Laune und wird zu einer einfachen, primitiven Freude. Wir freuen uns, dass wir noch leben und die Sonne sehen! Wir wissen: Der Tod war sehr nah. Nur der Zufall hat dafür gesorgt, dass der eine und nicht der andere getroffen wurde.

Micki Rosenblatt hat Geburtstag. "Du hast ein schönes Ge-

schenk bekommen", sagen wir ihm. "Ein sehr schönes Geschenk." "Was für ein Geschenk?", fragt er verwundert. "Dein Leben, mein Lieber. Dein Leben!" Wir sitzen zusammen und erzählen, wie der eine verwundet und der andere gerettet wurde. Eigentlich kennen wir alle Einzelheiten. Aber es ist ein innerer Zwang: Nach dem Kampf wird jedem, der vorbeikommt, immer und immer wieder

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