sen elf Tagen am Leben und heil geblieben sind. Die berühmte Kompanie, die Männer auf den Jeeps, die Helden.

Sie sehen aber nicht wie Helden aus. So kennt die Etappe sie nicht. Traurige Erscheinungen schlafen hier. Schlafen und schnarchen, drehen sich von einer Seite auf die andere, reden im Schlaf. Ihre Kleidung ist dreckig und stinkt. Ihre Haut ist blass, das Gesicht wirkt gespannt und die Knochen sind deutlich zu erkennen, die Wangen eingefallen.

Ich schlafe in einem Schützengraben. Ich sehe aus wie alle blass, mit wildem, ungepflegten Bart, die Augen tief in den Höhlen, ich stinke. Der Schützengraben ist nicht meiner. Ich habe noch nie selbst einen anständigen gegraben. Ich hasse diese Arbeit. Außerdem bin ich immun. Die Bomben werden mich nicht treffen. Alle anderen werden getroffen. Ich nicht. Ich kann weder sterben noch verwundet werden oder gar einen Körperteil verlieren. Es kann einfach nicht sein, dass ein Stück raues Metall, ein Stück Schrott, das nichts wert ist, diesem komplizierten Organismus mit Sinnen, Gefühlen, Gedanken, Geheimnissen ein plötzliches Ende bereiten wird. Das kann einfach nicht sein! Natürlich weiß ich, dass alle so gedacht haben. Alle, die uns inzwischen verlassen haben, ohne Beine, ohne Arme, manchmal auch ohne Kopf. Und

trotzdem - ich bin ganz sicher ...

Warum habe ich mich in diesen Schützengraben gelegt? Ich

weiß es nicht. Der berühmte sechste Sinn. Nur die Erfahrenen haben diesen Sinn. Deshalb schickt man sie immer wieder raus. Wieder und wieder und wieder und wieder, bis der letzte von ihnen erledigt ist. Wen soll man denn sonst schicken? Diese Logik gilt in allen Armeen der Welt: Einmal im Kampf, immer im Kampf.

Wem gehört dieser Graben? Keine Ahnung. Vermutlich einem

der Kameraden, die nach uns zurückgekommen sind. Er sah mich schlafen und war zu müde, um mich zu vertreiben. Er hatte den sechsten Sinn nicht. Er spürte nicht, dass sie nach dieser Nacht kommen mussten, uns bombardieren müssten ...

Nach dieser Nacht ...

Was für eine Nacht! Wieder haben wir das verfluchte Beith Jamal angegriffen. Zum zweiten, zum dritten Mal? Ich weiß es nicht mehr. Es gab einen Kampf. Kampf? Ein Abschlachten war das. Gesunde Jungs sind losgegangen, die meisten grüne Rekruten. Sie kannten den hellen Mond nicht, wussten nicht, dass sie die Ägyp-

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