Es war eine schöne Idee. Ohne sie gäbe es heute kein Israel und ganz bestimmt keine Kibbuzim. Sie führte zu einer Revolution, durch die Arbeit ehrenhaft und technologisches Denken unerlässlich wurde - einer Revolution, ohne die kein unterentwickeltes Land im Nahen Osten oder sonst wo in der Welt, die geringste Chance hat, den AnSchluss an die moderne industrielle Gesellschaft zu finden.

Aber eben diese Idee schuf Bedarf an Arbeitsplätzen und an Land. Hebräische Arbeitskräfte, das bedeutete notwendigerweise keine arabischen Arbeitskräfte. Die "Erlösung des Landes" bedeutete notwendigerweise häufig, dass man es von den arabischen Fellachen "erlöste", die zufälligerweise darauf lebten. Ein jüdischer Plantagenbesitzer, der in seinem Orangenhain Araber beschäftigte, galt als Verräter an der Sache, ein verachtenswerter Reaktionär, der einen jüdischen Arbeiter seiner Arbeit und, was noch schlimmer war, das Land eines jüdischen Arbeiters beraubte. Man musste den Hain mit Streikposten besetzen, die Araber gewaltsam vertreiben; Blutvergießen war, falls notwendig, gerechtfertigt. Das war der Kampf um die hebräischen Arbeitskräfte, der sich über zwei Generationen hinzog und auch im heutigen Israel von Zeit zu Zeit wieder aufflammt. Noch in den sechziger Jahren wurden einige Bomben im jemenitischen Viertel von Tel Aviv geworfen mit dem Ziel, die Restaurantbesitzer und Bäcker zu veranlassen, ihre arabischen Angestellten zu entlassen.

Der Kampf um die Erlösung des Landes nahm zeitweise ebenfalls gewaltsame Formen an. Das Land wurde zu oft übermäßigen Preisen mit gutem Geld gekauft, das meist arme Juden im Ausland aufgebracht hatten. In vielen Fällen war der Araber, der es verkaufte, ein reicher Efendi, der nicht darauf lebte, sondern sein Leben in den Kasinos von Beirut oder der französischen Riviera verbrachte. Das Schicksal der armen Fellachenpächter, die dort ihren kargen Lebensunterhalt verdienten, kümmerte ihn wenig. Diese wurden einfach vertrieben, wenn das Land vom Jüdischen Nationalfonds gekauft wurde, um darauf einen Kibbuz zu errichten. Wenn einige von ihnen später den Kibbuz angriffen, so zeigte das nur, dass man unbedingt ein wirksames System bewaffneter Verteidigung schaffen müsse. So wurde die Histadnit zum Förderer und Schutzherren der Haganah, jener Untergrund-

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