Er stellt sich diesen Abend in hellen Farben vor. Er wird an der Tür klingeln, sie wird öffnen - und lächeln. Natürlich wird sie lächeln. Wie eine Siegesfanfare wird er ihr seine Abenteuer erzählen. Wie er ihretwegen abgehauen ist, obwohl ihm 24 Stunden in der Arrestzelle drohen, wenn er erwischt wird.

Da ist das Haus. Er atmet schwer - den halben Weg ist er gerannt, um keine Zeit zu verlieren. Zum Glück ist er im Dauerlauf geübt. Auf der Treppe wartet er einen Moment, um wieder normal atmen zu können. Dann die Klingel. Sie öffnet, sieht ihn erstaunt an, ja, sie lächelt auch. Aber es ist ein anderes Lächeln. Nicht das, das er erwartet hat.

"Komm rein", sagt sie und lässt ihn ins Zimmer. Dort sitzt ein anderer. Dieser trägt Zivil. Gequält stellt man sich vor. Irgendwie redet man über dieses und jenes, während sie sich umzieht.

Sie gehen in ein kleines Café. Er erzählt vom Leben im Ausbildungslager, redet dauernd, um keine Zeit zum Denken zu haben. Sie fragen, ob er abgehauen sei. Aber plötzlich hat er keine Lust mehr, von seinen Heldentaten zu berichten.

Er fühlt sich fremd. Sie verstehen nicht, was er ihnen zu erzählen versucht - die Freuden und Leiden des Soldaten im Ausbildungslager. Warum ist er überhaupt abgehauen? Hat er wirklich gedacht, sie würde auf ihn warten, ihn mit offenen Armen empfangen?

Viertel nach neun. Er steht auf und verabschiedet sich. Er lächelt sogar, obwohl es ziemlich wehtut.

Zurück kommt er auf dem gleichen Weg. Umgeht den Wach-

posten, robbt den Abhang hoch. Am Loch im Stacheldraht steht ein Wachposten. Fünf Minuten bewegungsloses Warten. Den Kopf gegen die Erde gedrückt. Endlich haut er ab. Unter dem Stacheldraht her robben, einen Sprung zur Baracke - geschafft!

In der Baracke ist noch Licht. Drinnen ist es warm. Die Kämeraden richten die Betten. Quatschen und fluchen wie immer. Als er reinkommt, schauen sie ihn neidvoll an. Er war in ihrem

Traumland. "Draußen."

Sein Freund kommt näher. ״Wie war's? Hast du deine Freundin gesehen?"

Er dreht dem Freund den Rücken zu, richtet sein Bett. "Geht so", brummt er. "Alles in Ordnung." Er löscht das Licht und legt sich ins Bett. "Ich bin wieder zu Hause", denkt er für sich, "zu Hause."

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